Zum Inhalt springen

EU AI Act im Gesundheitswesen

KI-Systeme in Diagnostik, Triage und Behandlungsplanung fallen oft unter Hochrisiko. Das Zusammenspiel von EU AI Act und Medizinprodukte-Verordnung (MDR) schafft besondere Compliance-Anforderungen.

Aktualisiert: Februar 202611 Min. Lesezeit

Warum das Gesundheitswesen besonders betroffen ist

KI-Systeme im Gesundheitswesen fallen gleich über zwei Wege unter den EU AI Act:

  1. Annex III Nr. 2 – KI als Sicherheitskomponente in kritischer digitaler Infrastruktur, einschliesslich Triage und Priorisierung bei Notrufen
  2. Annex I (ab August 2027) – KI als Sicherheitskomponente in Medizinprodukten (Klasse IIa und höher nach MDR)

Das bedeutet: Viele Gesundheits-KI-Systeme müssen sowohl die EU AI Act Anforderungen als auch die Medizinprodukte-Verordnung (MDR, Verordnung (EU) 2017/745) erfüllen.

Typische Hochrisiko-Szenarien

AnwendungAnnex III KategorieZusätzliche Regulierung
Radiologie-Diagnostik (CT/MRT-Analyse)Annex I (Medizinprodukt)MDR Klasse IIa+
Triage-Systeme in NotaufnahmenNr. 2
KI-gestützte BehandlungsplanungAnnex I (Medizinprodukt)MDR
Arzneimittel-InteraktionsprüfungAnnex I (ggf.)MDR/IVDR
Patientenüberwachung (ICU)Nr. 2 / Annex IMDR Klasse IIb+
Verwaltungs-KI (Terminplanung etc.)Meist kein Hochrisiko

Besonderheit: MDR und EU AI Act im Zusammenspiel

Für KI-Systeme, die als Medizinprodukte eingestuft sind, gilt:

  • Die MDR-Konformitätsbewertung (durch Benannte Stellen) deckt auch die EU AI Act Anforderungen ab (Art. 43 Abs. 1 EU AI Act)
  • Die Technische Dokumentation muss sowohl MDR Annex II als auch EU AI Act Annex IV erfüllen
  • Das Risikomanagementsystem nach ISO 14971 (MDR) muss um EU AI Act-spezifische Anforderungen ergänzt werden
  • Die klinische Bewertung (MDR) und die Leistungsmetriken (EU AI Act Art. 15) überschneiden sich teilweise

Frist: KI in Medizinprodukten nach Annex I fällt erst ab August 2027 unter den EU AI Act. Autonome KI-Systeme im Gesundheitswesen nach Annex III sind bereits ab August 2026 erfasst.

Dokumentationspflichten für Gesundheits-KI

Für Anbieter von Hochrisiko-KI im Gesundheitsbereich:

  • Technische Dokumentation nach Annex IV – mit besonderem Fokus auf klinische Validierung und Bias in medizinischen Datensätzen
  • Transparenzhinweis – Patienten müssen informiert werden, dass KI an Entscheidungen beteiligt ist (Art. 13 + Art. 50)
  • FRIA – Für öffentliche Gesundheitseinrichtungen Pflicht nach Art. 27

Marktüberwachung im Gesundheitssektor

Die Marktüberwachung für KI in Medizinprodukten liegt bei den bestehenden Benannten Stellen und nationalen Behörden für Medizinprodukte (z.B. BfArM in Deutschland). Für KI-Systeme nach Annex III (nicht als Medizinprodukt) sind die jeweiligen KI-Marktüberwachungsbehörden zuständig.

Nächste Schritte für Ihre Organisation

  1. Inventar – Listen Sie alle KI-Systeme im Einsatz und in Entwicklung auf
  2. Klassifizierung – Nutzen Sie den kostenlosen Risiko-Check
  3. MDR-Prüfung – Klären Sie mit Ihrer Benannten Stelle, ob ein Medizinprodukt vorliegt
  4. Dokumentation – Starten Sie mit der Compliance-Dokumentation

Jetzt Compliance-Entwürfe für Gesundheits-KI generieren →

Dokumente generieren

FRIA, Technische Dokumentation und Transparenzhinweis – KI-generierte Entwürfe in Minuten.

Jetzt generieren

Bereit für EU AI Act Compliance?

KI-generierte Compliance-Dokumente als solide Arbeitsgrundlage für Sie oder Ihre Anwälte.

EU AI Act im Gesundheitswesen | AIvunera